St. Wenceslai Turmführungen - ein schönes Erlebnis

Wurzen allgemein:
Erste urkundliche. Erwähnung 961 als Burgwardmittelpunkt am Muldenübergang der alten Salzstraße Magdeburg - Böhmen.
Wencels- Vorstadt als alter Siedlungskern mit eigener Kirche.
St. Wencel (nach Volkstradition) Heiliger der Kaufleute und Händler, aber auch der Diebe, Räuber und Wegelagerer.

TürmerwohnungSt. Wenceslai- Kirche:
Auf die slawische Vergangenheit des Hügels als Heiligtum weist rechts an der Ecke des Nordportals der eingemauerte Kopf eines slawischen Götzenopfersteines hin: Zeichen für den Sieg der Kirche über die Naturreligion der Slawen. Der Götze muss jetzt das Gebäude der Kirche tragen.

Für 1340 n. Chr. ist ein ,,Kapellchen" auf dem Wencelskirchhof erwähnt.
Die Jahreszahl am Turmeingang M:CCCCC:XIII (1513) weist wahrscheinlich auf den vorläufigen Abschluss eines Neubaues in dieser Zeit hin.

1613 riss der Sturm das Dach der Kirche ab, es wurde notdürftig ausgebessert.
Die Kirche blieb auch in der Wurzner ,,Kreuz- und Marterwoche"   1637 nicht verschont. (Dreißigjähriger Krieg) Die Schweden füllten sie mit brennbaren Materialien und zündeten sie an. Außer den Mauern wurde alles übrige ein Raub der Flammen.

TürmerwohnungErst 1673 wurde sie in der heutigen äußeren Form wieder aufgebaut. Dabei wurde die Flachdecke (Kassetten) eingezogen. Die ursprüngliche Bemalung des Barock ist auf alten Bildern zu sehen (Ausstellung!): Untergrund hell, Ornamente dunkel.
Das Chorraumgewölbe, das 1637 ebenfalls zusammengestürzt war, wurde 1673 dem gotischen Gewölbe nachgebaut, allerdings in typischen Barock.
Materialien: Formziegel, die angeputz wurden. Die jetzige Farbgebung (grau mit weißen Scheinfugen, z. T. schwarz umrandet entspricht der ersten Farbgebung nach dem Wiederaufbau. Rechts neben dem Altar ist ein Stück gotischer Putz zu sehen (rotgefärbt). 1673 war dieser angehackt und überputzt worden.

1873 wurde durch Baumeister Altendorff aus Leipzig die gesamte barocke Inneneinrichtung entfernt und durch neogotische Einbauten ersetzt.
1975 brach die Kassettendecke z. T. ein, durch Schwammbefall und Fäulnis bedingt. Heiligabend dieses Jahres war der letzte Gottesdienst.
14 Jahre dauerte die schwierige Rekonstruktion vorwiegend in Feierabendarbeit und freiwilligen Arbeitseinsätzen. Seit 1968 wurde rund 1 Mill. Mark verbaut, davon gab es nur einmal eine ,,Westgeld"- Spende von 40.000 DM. Von dieser wurden derzeit Schiefer und Kupfer für Turm und Kirchendach gekauft. Viele Kleinmaterialien wurden dankenswerterweise von den Partnergemeinden gestiftet (,,Kupfernägelpakete").
Am 15. Oktober 1989 wurde die Kirche wiedergeweiht.

Turm:
54 m Gesamthöhe, 22 m Glockenetage, 28,5 m Türmerwohnung untere Etage, 32 m Türmerwohnung obere Etage
Dachetage Hauptschiff:
11 m über dem Fußboden
Balken über die ganze Breite 20 m

Im 2. Weltkrieg nur ein großes Loch im Dach: Blindgänger
insgesamt (mit Chorraum) 1.500 m2 Dachfläche (Schiefer)

Turmkonstruktion:
Die Balken der Innenkonstruktion liegen nicht in der Wand auf, sondern aufeinander. Zweck: Abfangen der Schwingungen des Geläutes.
 

Glocken: (Stahl) unt. Durchmesser Gewicht Ton
Große:  190cm  2,7 t Des
Mittlere:  148 cm   1,25 t F
Kleine:  124 cm  0,7 t As
Inschriften
Alle drei:
Der Kirchgemeinde seiner Vaterstadt gab dieses Geläut in Zeiten schwerer Not Wilhelm Kanis Reform. Tag 1918
Große: Gott zur Ehre den Nachkommen zur Lehre
Mittlere: Erz gab ich Eisen empfing ich
Kleine: Gott schütze und segne Deutschland
Tagesglocke (7 /12 /17 Uhr) Mittlere

1917 für die Kanonenproduktion wurden 2 der alten Bronzeglocken eingeschmolzen (Glockenfriedhof Leipzig Thonberg nicht wieder gefunden) 1942 die dritte aus dem gleichen Grund.


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